Greatest Showman Filmposter

Greatest Showman – Flucht vor der Realität

P. T. Barnum kommt aus armen Verhältnissen, will es aber schon als Kind ganz nach oben schaffen – auch, um seiner Sandkastenliebe Charity das Leben zu bieten, das sie verdient. Eines Tages kommt ihm die Idee zu einem Kuriositätenkabinett, das sich schnell zu einem Zirkus entwickelt, in dem außergewöhnliche Menschen ein Zuhause finden. Und Barnum wird zum Greatest Showman…

Greatest Showman: Trailer

Film vs. Realität

Greatest Showman Filmposter

Greatest Showman – 20th Century Fox

Greatest Showman ist „inspiriert von einer wahren Geschichten“, wie es im Trailer sehr treffend heißt. Mehr als Inspiration kann die reale Geschichte von P. T. Barnum tatsächlich nicht geliefert haben, denn der schrille Film ist weit entfernt von der Realität des 19. Jahrhunderts.

Die Szenen schwimmen in satten, strahlenden Farben und obwohl der Zuschauer weiß, dass die Geschichte rund 150 Jahre vor unserer Zeit angesiedelt ist, findet sich doch viel von unserer Zeit in dem Streifen. Angefangen bei Mode und Make-Up, über eingängige Popmusik und Hip-Hop-Tanzelementen bis hin zu einem Verständnis von Gleichberechtigung, das für viele Menschen damals unerreichbar war.

Denn P. T. Barnum war in der Realität kein Menschenfreund, der „Andersartigen“ ein Zuhause geben wollte. Er war ein Geschäftsmann, der Schwarze, Behinderte oder andere Menschen mit besonderen Merkmalen und Eigenschaften als Sensationen ausstellte. Ja, er war für viele „The Greatest Showman“, aber mit dem Wissen von heute ist seine Zirkusshow alles andere als „great“. Das kann man dem Film durchaus vorwerfen: Kritik am historischen Vorbild klingt nur ganz schwach an, wird aber so schnell wieder verworfen, dass sie faktisch irrelevant ist.

Betrachtet man den Film als Show für sich, als fiktives Werk, dann – das muss ich so sagen – macht er einfach unfassbar viel Spaß. Jeder Song entwickelt sich zu einem Ohrwurm und wandert direkt in meine Playlist. Hugh Jackman ist ein sympathischer Hauptdarsteller, der von Zac Efron und Sängerin Zendaya wunderbar unterstützt wird. Michelle Williams bleibt, ebenso wie die vielen Nebendarsteller, leider etwas blass. Aber dieser Film setzt nicht auf Charakterentwicklung oder neuartiges Storytelling. Im Grunde bedient sich Greatest Showman einer recht konventionellen Hollywood-Story, die aber dank der Musik, flotten Schnitten und wunderschöner Kulisse zu unterhalten weiß. Wenn man das – nicht mehr, und nicht weniger als solide Unterhaltung – erwartet, dann verbringt man mit Greatest Showman tolle 105 Minuten.

Der Greatest Showman Soundtrack: Meine Favoriten

Als Musicalfilm lebt Greatest Showman natürlich von den Songs. Es ist wirklich nicht einfach, die liebsten Songs dieses Soundtracks auszumachen, aber falls ihr euch einen ersten Eindruck verschaffen wollt, dann hört doch mal in folgende Stücke rein:

  • This is Me (wurde als bester Filmsong mit einem Golden Globe ausgezeichnet)
  • The Greatest Show
  • Rewrite the Stars
  • Never enough
  • Come Alive

Mein Fazit zu Greatest Showman

Es ist schwierig, den historischen Hintergrund auszublenden und es ist schade, dass der Film keine Kritik übt. Betrachtet man ihn aber als reine Fiktion, macht er Spaß und liefert Musik, die ins Ohr geht und dort bleibt. Die Darsteller sind solide, die Geschichte gewinnt keinen Oscar – die Songs wahrscheinlich schon. Einer bunter, moderner Film im Kostüm der Vergangenheit. Kann man sich durchaus anschauen und war für mich ein sehenswerter Start in das Kinojahr.

6 Gedanken zu „Greatest Showman – Flucht vor der Realität

  1. RoM sagt:

    Latha math, Katie.
    Schön wieder aus Deiner Feder zu lesen. Just & besonders zum Thema „Film“… 😎

    Grundsätzlich kann man/frau natürlich fragen, warum die Macher den Namen P.T. Barnum aufgreifen, wenn es Ihnen vordergründig nicht um den Menschen geht. Für ein unterhaltsames Musical hätte jeder John Doe vorgestellt werden können, der aus dem Nichts eine große Show zaubert. Der musikalische Dampfer wäre in den sicheren Hafen gefahren.
    Manche zitieren den Passepartout „Künstlerische Freiheit“ vergessend, daß man/frau sich dabei auch schnell in Beliebigkeit verheddert; oder Schönfärbereien.
    Nicht Fisch, nicht Fleisch, wenn zudem zu einer kritischen Nuance angehoben wird, die dann aber umso schneller wieder hinter den Vorhang dirigiert ist.

    Ein Ausblick auf des neue Filmjahr sei mir noch erlaubt: ‚Dark River’…

    https://www.youtube.com/watch?v=hTHEtSyezdI

    for your consideration

    bonté

    • Katie sagt:

      Hallo RoM,
      schön, dass du immer noch da bist 🙂
      Durchaus habe ich mich gefragt, warum es ausgerechnet P.T. Barnum sein musste, der hier das Vorbild lieferte. Vermutlich weil die „wahre Geschichte“ noch mal mehr Zuschauer anlockt.

      Vielen Dank für den Tipp zu „Dark River“, das sieht sehr gut und sehr stimmungsvoll aus. Wandert direkt auf meine Liste 🙂

      Liebe Grüße!

      • RoM sagt:

        …ich lese gute Blogs gerne, weswegen ich regelmäßig reinschaue.

        You’re welcome. Bleibt zu hoffen, dass der Film einen Weg über den Kanal findet.
        Um indirekt Deine twitter-Frage letztens zu beantworten – ‚Donnie Darko‘ (in der Langfassung) wäre mein Jake Gyllenhaal-Film.

        bonté

  2. bknicole sagt:

    Ich hatte ja gehofft, dass man auch ein paar kritische Töne im Film findet, aber schade dass die nur leicht anklingen. Möchte den Film aber aufgrund der Songs und des Casts noch sehen, aber werde dann wohl mit anderen Erwartungen dran gehen.

    • Katie sagt:

      Na ja, er macht ja schon Spaß, bei mir kam dieser „Dämpfer“ auch erst nach dem Film, also hoffe ich, dass du den Film genießen kannst 🙂

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