Jamie Shaw - Rock my Heart | Buchcover

Was mich an „Rock my Heart“ von Jamie Shaw gestört hat

Die „The Last Ones To Know“-Reihe ist derzeit sehr beliebt. Egal, in welcher Buchgruppe oder auf welchem Bookstagram-Account ich stöber – überall stoße ich auf diese Bücher rund um eine Rockband. Da ich letztens auf der Suche nach seichter Unterhaltung war, habe ich mir den ersten Teil „Rock my Heart“ (Originaltitel: Mayhem) als E-Book runtergeladen. Große Erwartungen hatte nicht, aber selbst die wurden noch unterboten. Warum?

Jamie Shaw - Rock my Heart | Buchcover

© Verlagsgruppe Random House GmbH

In „Rock my Heart“ treffen wir auf Rowan, die mit ihren 18 Jahren gerade frisch aufs College kommt. Ausgerechnet kurz vor ihrem ersten College-Tag wird sie von ihrem langjährigen Freund betrogen. Rockstar Adam kommt genau im richtigen Moment, um Rowan zu trösten. Eine Liebesgeschichte aus der Klischee-Schublade nimmt ihren Lauf.

Versteht mich nicht falsch, Klischees stören mich nicht. Ich stehe auf Rockstars. Ich wollte genau das, als ich das Buch gekauft habe: Sexy Rockstar trifft auf schüchternes Mädchen. Go ahead, entertain me.

Dennoch konnte mich das Buch nicht überzeugen, denn etwas hat mich extrem gestört: das Frauenbild.

Alles Fotzen außer Mutti? Das Frauenbild in „Rock my Heart“

Rowan, unsere Protagonistin, ist natürlich süß wie ein Pfirisch. Sie trägt gerne Leggings, eine Brille und die Haare irgendwie unordentlich in einem Dutt. Natürlich, sie ist so gar nicht mädchenhaft. Das macht sie ja so special.

Alle – und ich möchte noch mal betonen: A L L E – anderen Frauen in diesem Buch sind Schlampen, Tussis, Huren (außer Rowans beste Freundin, aber darauf komme ich gleich noch). Und jede einzelne ist in Rowans Augen verachtenswert, denn sie tragen knappe Kleidung und viel Make-Up. Jede Frau in diesem Bauch existiert nur, um sich Adam oder einem anderen Bandmitglied an den Hals zu werfen. Sollte ja klar sein, dass Frauen keine andere Daseinsberechtigung haben, als sich Männern an den Hals zu werfen.

Und Rowan hasst sie alle, vollkommen egal, ob sie tatsächlich etwas mit Adam haben, ob sie überhaupt irgendein Wort von sich geben oder ob sie einfach nur da sind. Ihr Erscheinungsbild reicht, um über sie zu urteilen.

Der Witz an der Sache:

  1. Rowan hat überhaupt kein „Recht“, diese Frauen zu hassen, denn sie ist zu keinem Zeitpunkt mit Adam zusammen. Im Gegenteil: Sie betont immer wieder, dass sie nur mit ihm befreundet sein möchte (möchte sie natürlich nicht), aber oh. my. fucking. god. Dann reiß dich gefälligst zusammen, Mädchen.
  2. Selbst wenn sie irgendeinen Anspruch auf Adam hätte – wäre es nicht angemessen, auf IHN sauer zu sein? Schließlich ist er derjenige, der so etwas wie eine Verpflichtung eingeht und sich daran halten sollte. Aber, ach, glatt vergessen, er ist ja der Rockstar Bad Boy, er kann ja gar nichts dafür, dass er so ist, wie er ist…
  3. Rowans beste Freundin verhält sich genauso wie die Frauen, die von den beiden immer als „Schlampen“ bezeichnet werden: Sie kleidet sich freizügig und hat One Night Stands mit beinahe fremden Typen. Bei ihr ist das aber in Ordnung. Sie ist frech und wild und ein kleiner Wirbelwind <3 (Na, messen wir hier mit zweierlei Maß?)

Um fair zu bleiben: Rowan bezeichnet nicht nur Frauen mit ausschweifendem Sexleben als Schlampen. Sie geizt auch nicht mit dem Titel „männliche Hure“. Aber na gut, das ist natürlich sexy, ein wilder Hengst will gebändigt werden und so weiter.

Insgesamt fällt das Wort „Schlampe“ im Buch 27 Mal, das Wort „Tussi“ 7 Mal und das Wort „Hure“ 4 Mal. Das macht insgesamt 38 Beleidigungen aufgrund von Oberflächlichkeiten und es bleibt natürlich nicht bei einem simplen Wort. Meist werden die vermeintlichen Schlampen sehr ausführlich beschrieben und Rowan hat sehr lebhafte Vorstellungen davon, wie sie den Frauen Gewalt antun will (seriously?). Auf mindestens jeder zehnten Seite wird also ausgiebig darüber berichtet, wie schlimm alle anderen Frauen auf dieser Welt sind.

Warum ich dieses Frauenbild problematisch finde

Nun, erstens: Es hat mir Rowan extrem unsympathisch gemacht. Ich konnte mich überhaupt nicht mit ihr identifizieren. Natürlich muss man nicht jeden mögen, natürlich darf man eifersüchtig sein und das gehört in so einem Buch ja fast schon zum guten Ton. Aber diese Masse an Vorurteilen und Hass und Beleidigungen nur aufgrund von Aussehen oder Sexleben – das liegt mir vollkommen fern.

Jetzt kann man natürlich sagen: „Das ist doch bloß Fiktion, reg dich mal nicht so auf“. Und ob ich mich aufrege. Denn mit solchen Büchern werden schädliche Frauenbilder reproduziert, die wir in unserer Zeit hinter uns lassen sollten. Wir sollten Frauen nicht dafür verurteilen, wie sie sich kleiden. Wir sollten aufgrund von Kleidung oder Erscheinungsbild nicht davon ausgehen, dass Frauen unbedingt auf Sex aus sind. Und wenn sie offensichtlich auf Sex aus sind und einen One Night Stand haben möchten: i don’t give a damn. Wenn beide (oder alle) Sexpartner einverstanden sind und niemand zu schaden kommt, dann lasst die Leute doch verdammt noch mal ihren Spaß haben.

Außerdem ist es einfach schade, denn die Geschichte zwischen Rowan und Adam hätte ganz süß sein können. Natürlich, da wird das Rad nicht neu erfunden und man weiß von Anfang an, wie es enden wird. Aber das hätte mir nichts ausgemacht. Es hätte echt niedlich sein können, es gab ein paar schöne Momente und witzige Einfälle – aber dieses Schlampen-Ding hat mir echt viel versaut.

Wenn Rowan in „Rock my Heart“ ein Problem mit den anderen Frauen hat, dann natürlich weil sie selbst gerne mit Adam vögeln würde, aber ihre Gründe hat, es nicht zu tun. Da können aber die anderen Frauen nichts für. Abgesehen davon schwingt in Rowans Hass auch immer ein wenig Neid mit – auf so viel Selbstbewusstsein und Sex Positivity. Ich bin einfach unfassbar von diesem Vokabular genervt und vor allem diesem unbegründeten Hass. Ich kann mich nicht erinnern, dass Rowan mal sauer war auf Adam. Nein, immer nur auf die Frauen, die sich ihm an den Hals geworfen haben. Er konnte sie anscheinend nicht abwimmeln, der arme Kerl.

Jamie Shaw – Rock my Heart (The Last Ones To Know, Band 1)

Jamie Shaw - Rock my Heart - Buchcover3DErschienen im Blanvalet Verlag

ISBN: 978-3-7341-0268-4

Originaltitel: Mayhem (Mayhem Series 1)

Paperback, Klappenbroschur, 384 Seiten

>> auf Amazon finden

 

2 Gedanken zu „Was mich an „Rock my Heart“ von Jamie Shaw gestört hat

  1. Mein Senf für die Welt sagt:

    Huhu,

    erstmal schöner neuer Blog! Ich bleibe dir natürlich weiterhin treu 😉

    Jetzt zum Buch:
    Ich habe es noch nie irgendwo gesehen. Und jetzt scheint das auch nicht weiter schlimm zu sein. Aber eigentlich ist das auch nicht unbedingt mein Thema.

    Allerdings musste ich da an ein anderes Buch denken. Ich habe vor einer Weile „Don’t kiss Ray“ gelesen. Ein Jugendbuch, also ohne Sex, aber ähnliche Story sonst. Mädchen verliebt sich in Junge, der ist aber in ’ner Band und alle anderen Mädels hassen dann SIE. Das Buch gefiel mir wirklich gut. Ich weiß allerdings nicht, ob das was für dich ist. Aber die Geschichte war glaubwürdig, und ich mochte die Verarbeitung des Themas „Cybermobbing“ innerhalb der Geschichte.

    Gruß
    Marina

  2. Nadine Escher sagt:

    Mir hat die Geschichte auch nicht sonderlich gefallen. Ich finde die Rockstars von Nalini Singh oder Kylie Scott super.

    LG Nadine

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