Buch & Feder
Kommentare 4

Zuletzt gelesen #01: Emotionale Grenzen & Guilty Pleasure

Etwas, was mich seit ein paar Monaten sehr freut, ist die Tatsache, dass ich endlich wieder Spaß am Lesen habe. Und dass ich Zeit zum Lesen habe – oder besser gesagt: dass ich die Ruhe dafür habe. Mich ohne schlechtes Gewissen einen ganzen Nachmittag in ein Buch vertiefen, das habe ich sehr lange nicht geschafft.

Während des Studiums habe ich etwa 40 Bücher im Jahr gelesen. Im Jahr 2016 waren es genau 2. Das hat mich selbst ziemlich unglücklich gemacht. Letztes Jahr habe ich es immerhin geschafft, 20 Bücher zu lesen. Ich weiß, Lesen ist kein Wettbewerb. Ich möchte nicht so viele Bücher wie irgendwie möglich schaffen. Aber an der Zahl der Bücher erkenne ich eben, wie regelmäßig ich zum Lesen komme und ja, ein kleines bisschen ist das sowas wie ein Happiness-Index für mich.

Wie auch schon bei meinem Filmrückblick geschrieben: Ich schaffe es einfach nicht, jedem Buch eine eigene, ganz ausführliche Rezension zu widmen. Das ist momentan eher eine Kraft-, als eine Zeitfrage, aber dazu an anderer Stelle eventuell mehr. Dennoch möchte ich die Bücher, die ich gelesen habe, nicht vollkommen unerwähnt lassen. Deswegen werde ich hier ab und zu einen Rückblick einschieben, was ich zuletzt gelesen habe und wie es mir gefallen hat 🙂 Ich bin, wie immer, gespannt, ob ihr die Bücher kennt, ob ihr sie gelesen habt oder ob sie noch auf eurem berühmt-berüchtigten SuB (Stapel ungelesener Bücher) liegen. Lasst es mich wissen 🙂

Adam Silvera – More Happy Than Not ★★★★

Ich folge Adam Silvera schon sehr lange auf Instagram und Twitter und finde ihn einfach nur super sympathisch. Logisch also, dass ich auch irgendwann seine Bücher lesen würde. „More Happy Than Not“ ist Silveras Debüt und handelt vom 16-jährigen Aaron, der nach dem Suizid seines Vaters versucht, wieder glücklich zu werden. Als seine Freundin Genevieve für ein paar Wochen verreist, verbringt Aaron viel Zeit mit dem neuen Typen in der Nachbarschaft: Thomas. Und Thomas löst in Aaron eine ganz neue Art von Glücksgefühlen aus…

“I ignite the wick, and the firework takes flight. In that moment, I wish my existence were as simple as being set on fire and exploding in the sky.”
Adam Silvera – More Happy Than Not

„More Happy Than Not“ spielt in einer nicht weit entfernten Zukunft, in der es das Leteo Institut gibt, das Erinnerungen gezielt auslöschen kann. Am Anfang befremdete mich diese, etwas Sci-Fi-mäßig anmutende Idee, weswegen ich Schwierigkeiten hatte, in die Geschichte hineinzufinden. Aber Silvera schafft es, diese futuristische Idee gekonnt in seine Geschichte einzubauen und so für einige interessante Wendungen zu sorgen. Der Mittelteil des Buchs ist definitiv der stärkste Part, denn leider gab es auch am Ende für mich dann wieder ein paar Stolpersteine. Alles in allem aber ein sehr lesenswertes Jugendbuch.

Maschenka Tobe – Wir waren die Kosmonauten ★★★★★

Ich überlege jetzt schon eine ganze Weile, was ich über dieses Buch sagen kann oder soll, aber ich habe das Gefühl, meine Worte können dem nicht gerecht werden, was ich ausdrücken möchte. Denn „Wir waren die Kosmonauten“ ist ein ganz besonderes Schmuckstück, ein Buch, das von außen beinahe unscheinbar wirkt, aber im Inneren eine große Geschichte birgt.
Wir folgen in Maschenka Tobes Roman zwei Handlungssträngen: Einmal treffen wir in den 1950er Jahren auf einen Mann, der in Moskau eine Straßenhündin aufliest, um sie zum Kosmodrom zu bringen. Auf der anderen Seite treffen wir im Deutschland der Gegenwart auf Flora, die sich an ihr Leben mit Timo erinnert und dabei an eine wunderbare Kindheit und Jugend zurückdenkt.

“Wir zwei, die alles gewollt hatten, die ganze Welt, die Milchstraße, das Universum, standen eingeschüchtert da und das Leben lag vor uns – hämisch grinsend, weil uns vor scheinbarer Grenzenlosigkeit die Knie schlotterten.”
Maschenka Tobe – Wir waren die Kosmonauten

Ich weiß, die Zusammenfassung des Inhalts ist schwammig, aber ich möchte einfach nicht zu viel vorwegnehmen, denn ihr solltet das Buch selbst lesen. Maschenka Tobe hat einen wunderbaren Schreibstil, der jede Situation sofort greifbar macht. Ein wenig ist dies eine Geschichte über Geschichten und übers Geschichtenerzählen, aber in ihr steckt so viel Gefühl und eine gewisse Nostalgie, dass man nicht anders kann, als durch dieses Buch zu schweben. Wenn ihr dieses Jahr auch nur ein Buch lesen möchtet, dass ein bisschen von der Masse abweicht, wenn ihr kleine Verlage und junge Autoren unterstützen wollt: Dann merkt euch „Wir waren die Kosmonauten“ von Maschenka Tobe. Für mich ganz sicher eines meiner Jahreshighlights.

Santino Hassell – Illegal Contact ★★★

Ja, was soll ich denn jetzt zu diesem Buch sagen?
Wisst ihr, die anderen Bücher in dieser Liste beschäftigen sich mit so wichtigen Themen und sind alle auf ihre Art tiefgründig und empfehlenswert und geben dem Leser etwas mit, wenn er die letzte Seite umgeblättert hat.
Tja, und dann ist da „Illegal Contact“.
Ja, Aurea hat vor einer Weile ganz richtig gesagt, dass der Ausdruck „Guilty Pleasur“ doof ist, aber ich muss ihn jetzt einfach benutzen – und dabei stimmt er nicht mal so richtig. Denn so ein riesen pleasur war dieses Buch nicht.
Ich schätze, zwischen all den recht anspruchsvollen Themen brauchte ich mal etwas leichte Kost und in meiner Filter Bubble wird Santino Hassell gefeiert für… ja, für was eigentlich? „Gay Romance“ würde ich das nicht nennen, eher „Gay New Adult„. Eine Freundin sagte mal, dass sie gerne LGBT-Bücher liest, weil sie genervt ist von den typischen Hetero-Rollen-Klischees: Schüchternes, unerfahrenes Mädchen & Bad Boy. Nun ja. Bei Santino Hassell habe ich im Prinzip genau dieses Klischee gefunden, nur eben mit zwei Männern. Noah ist der etwas chaotische Student, der dringend einen Job braucht und Gavin ist der megareiche Football-Star, der immer mies drauf ist. Leider waren mir die beiden am Anfang nicht sonderlich sympathisch, weil sie einfach viel zu stereotyp waren und vor allem Noah ging mir mit seiner Unselbstständigkeit auf die Nerven. (Ich glaube, als Leser sollte man Noah am Anfang mögen und den „bösen“ Gavin doof finden, bei mir war’s umgekehrt, weil mein Geduldsfaden bei Noah auch gerissen wäre.) – Na ja, wie dem auch sei: Beide wurden mir sympathischer, als sie sich besser kennenlernten und damit auch die Klischees in den Hintergrund rückten. Somit wurde die Geschichte am Ende auch weniger vorhersehbar und damit spannender. Das Buch war in Ordnung, mehr aber auch nicht.

Daniela Ohms – Winterhonig ★★★★★

Eine Geschichte wie „Winterhonig“ kann nicht glücklich machen. Aber sie kann wach machen.
Wir begleiten Mathilda und Karl durch die Schrecken des zweiten Weltkriegs und das macht nicht glücklich, sonder vor allem: wütend. Traurig. Betroffen. Sprachlos. Verzweifelt. Am Ende, ja, vielleicht ein wenig hoffnungsvoll, aber dennoch mit einer enormen Last auf den Schultern.
Autorin Daniela Ohms basierte die Geschichte zu einem großen Teil auf wahren Begebenheiten. Mathildas Leben ist inspiriert von Ohms Großmutter, Karls Geschichte hat sie durch jahrelange Recherche aufgebaut. Das hat vor allem einen Effekt: „Winterhonig“ ist nicht kitschig oder seicht. Es ist authentisch, es fühlt sich echt an und es scheut vor keiner Grausamkeit zurück. Denn das tut der Krieg schließlich auch nicht.

“In diesem Moment wurde Mathilda klar, dass nicht Staaten oder Herrscher einen Krieg gewannen, der wahre Sieger war immer nur der Tod.”
Daniela Ohms – Winterhonig

Die Autorin schafft es, die Lebenswelt der Protagonisten – unserer Groß- oder bereits Urgroßeltern – greifbar zu machen. So entsteht problemlos eine emotionale Verbundenheit zu Karl und Mathilda und ihren Freunden. Die Liebesgeschichte ist so zart und behutsam erzählt, dass keine andere Wahl bleibt, als sich mit zu verlieben – und gleichzeitig mit zu leiden, zu fürchten, zu weinen, zu hoffen. Der authentische Stil ließ mich immer wieder vergessen, dass Mathilda und Karl nicht echt waren oder sind. Und trotzdem sind sie es ja doch irgendwie: ihre Geschichte passierte so oder so ähnlich viel zu häufig im Deutschland der 1940er Jahre.
Dieses Buch hat mich emotional an meine Grenzen gebracht und ich glaube, ich brauche noch ein wenig Zeit, um darüber nachzudenken. Trotzdem, oder gerade deswegen, empfehle ich „Winterhonig“ unbedingt weiter.

Welche Bücher haben euch zuletzt emotional bewegt? Und welches war euer letztes „Guilty Pleasure?“

4 Kommentare

  1. Hey!
    Danke für den Tipp mit „Wir waren die Kosmonauten“, das werde ich mir direkt mal auf die Liste setzen.
    „Illegal Contact“ klingt ja leider nicht sooo toll.
    Emotional bewegt hat mich zuletzt Scythe, auf eine ganz eigenartige Weise.
    Der Inhalt ist faszinierend und verstörend zugleich, aber ich denke ständig dran zurück und bin schon super gespannt auf den 2. Band.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    • Katie sagt

      Falls du „Wir waren die Kosmonauten“ liest, bin ich auf jeden Fall gespannt auf deine Meinung 🙂
      Von Scythe habe ich auch schon sehr viel gehört, also eigentlich nur positives. Danke für die Erinnerung, das habe ich mir jetzt mal auf die Liste gesetzt! 🙂

  2. RoM sagt

    Salut, Katie.
    Da Dir „More Happy Than Not“ ein wenig holprig erschien, vielleicht wäre dann Michel Gondrys Film ‚Eternal Sunshine Of The Spotless Mind‘ die rundere Sache. Auch hier geht es um Beziehungen & wie es wäre Erinnerungen an eine unglückliche Liebe löschen zu können. Aber können wir das überhaupt wollen?!
    Der Film von 2004 ist rundum gelungen & Jim Carrey gibt nicht im geringsten den Pausenclown.

    bonté

    • Katie sagt

      Der Film steht schon sooo lange auf meiner Watchlist, weil sehr viele ihn empfehlen, aber bis jetzt kam ich einfach nicht dazu, ihn zu sehen. Aber danke, dass du da nochmal die Parallelen rausgestellt hast, das macht ihn auf jeden Fall noch interessanter 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.